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Pressemitteilung des bbk berlin am 27. März 2026 anlässlich des Equal Pay Day in der Kunst am 1. April
Bis zum 1. April haben Frauen* in der Kunst umsonst gearbeitet
Frauen* in der Kunst- und Kulturszene verdienen im Schnitt rund ein Viertel weniger als Männer, in Berlin ist die Lage noch drastischer: In der Bildenden Kunst beträgt der Gender Pay Gap 28,44%. (KSK-Zahlen zum 01.01.2025, Stand 06.03.2025) Und nein, das ist kein Aprilscherz: Nach Berechnungen von ver.di arbeiten freie Künstler*innen rechnerisch bis zum 1. April unbezahlt: drei Monate Arbeit ohne Lohn. Was oft als romantisierte Prekarität verklärt wird, ist in Wahrheit strukturelle Ausbeutung - und der Satz „Kunst war schon immer prekär“ ist keine Erklärung – er ist Teil des Problems.
Eine Frau* kann einen noch so guten Schulabschluss haben, sich noch so stark im Beruf engagieren und noch so viel arbeiten – statistisch verdient sie trotzdem weniger als ein Mann. Branchenübergreifend lag der Gender Pay Gap 2025 laut ver.di bei 16%. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Frauen* struktureller Diskriminierung ausgesetzt sind, wenn es um die Entlohnung ihrer Arbeit geht: Eine zentrale Ursache ist die unbezahlte Care‑Arbeit, die häufig zu Teilzeit‑ oder marginaler Beschäftigung führt. Hinzu kommen fehlende Aufstiegschancen in Führungspositionen sowie geschlechtsspezifische Rollenbilder, die bereits in Ausbildung und Berufswahl wirken und sich langfristig im Einkommen niederschlagen.
„Kunst war schon immer prekär“ ist keine Entschuldigung, sondern Ausdruck systematischer Unterbezahlung
„Der Gender Pay Gap von 28,44% in der Berliner Bildenden Kunst ist kein Randproblem, er entscheidet über Existenzen – und das in einer Branche, die ohnehin prekär bezahlt ist“, sagt Frauke Boggasch, Co-Sprecherin des bbk berlin. „Die Konsequenz: weniger Aufträge, weniger Sichtbarkeit, weniger Geld – und von Anfang an schlechtere Chancen.“
Die laufende Studie „Leben und Arbeiten als Bildende*r Künstler*innen in Berlin“ zeigt, wie tief das Problem reicht: Jahreseinkommen aus künstlerischer Tätigkeit unter 10.000 Euro sind keine Ausnahme und diese ohnehin unhaltbare Einkommenssituation trifft Frauen* besonders hart. „Derzeit führen wir eine Nachbefragung durch, um diese Einkommenssituation noch genauer analysieren zu können", so Boggasch weiter. “Die Folgen des Gender Pay Gap reichen weit über das Hier und Jetzt hinaus: Geringere Einkommen bedeuten weniger Rücklagen, niedrigere Rentenansprüche und ein deutlich erhöhtes Risiko von Altersarmut. Der Gender Pay Gap schreibt sich so direkt in ganze Lebensverläufe ein.”
Birgit Cauer, Co-Sprecherin des bbk berlin: “Die Kombination aus Gender Pay Gap, niedrigen künstlerischen Einkommen und hohen Eigeninvestitionen in Material, Atelier und Produktion zeigt: Die Unterbezahlung von Frauen* in Kunst- und Kultur ist kein individuelles Problem, sondern strukturell.”
Der bbk berlin unterstützt die Forderungen von fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen* und plädiert für eine chancengerechtere Kunst‑ und Kulturpolitik!
Zu den Forderungen gehören unter anderem Wiedereinstiegsstipendien für Künstlerinnen* mit Care‑Verantwortung, die Steigerung der Einzelausstellungen von Künstlerinnen*, Stipendien und Kunstpreise für ältere Künstlerinnen* sowie faire und verbindliche Ausstellungshonorare in allen öffentlich geförderten Häusern. Ebenso gefordert werden die aktive Förderung von Frauen* in Führungspositionen (z.B. Intendanzen, Kuratorinnen*), die Beseitigung struktureller Benachteiligungen, die Berücksichtigung der realen Produktionskosten in Förder‑ und Vergabestrukturen sowie geschlechtergerechte Vergütung in allen Bereichen der Kulturarbeit.
Equal Pay Day in der Kunst
Bis zum 1. April, haben Frauen* in der Kunst- und Kulturszene rechnerisch umsonst gearbeitet. Das bedeutet konkret: Im Vergleich zu Männern arbeiten Frauen* etwa drei Monate im Jahr ohne Bezahlung. Deshalb fällt der Equal Pay Day in der Kulturszene auf diesen Tag, ab dem Frauen* statistisch genauso viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. In anderen Branchen wurde dieser Tag bereits am 27. Februar erreicht, was die besondere Schieflage in der Kunst- und Kulturbranche noch einmal deutlich macht. Solange Frauen* im Schnitt drei Monate im Jahr ohne Bezahlung arbeiten, ist von Gleichstellung im Kulturbereich keine Rede!
Frauke Boggasch und Birgit Cauer Sprecherinnen des bbk berlin
Die Ergebnisse der Umfrage „Leben und Arbeiten als Bildende*r Künstler*in in Berlin“ werden im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. Diese findet am Dienstag, 28. April 2026 um 19:30 Uhr (Einlass ab 19:00 Uhr) in der Druckwerkstatt im kulturwerk des bbk berlin, Mariannenplatz 2, 10999 Berlin, statt.
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